Reni

Zurechtkommen

Reni will sich erden. Viele "Behinderungen" kreuzten ihren Weg, vieles ging in die Brüche: eine lange Freundschaft aus Kindertagen, eine Ehe, die Bindung zur Tochter, die sie beim Vater ließ. Sie rieb sich auf, in der Erziehung zweier weiterer Kinder, an dem Verarbeiten von Verlusten, am Kraftakt, Verantwortung zu übernehmen. Dazwischen ein Psychiatrie Aufenthalt und immer wieder schwarze Löcher der Verzweiflung. Heute will sie "halbwegs zurechtkommen", sich "am eigenen Schopf aus dem Sumpf holen", eine nie abgeschlossene Ausbildung nachholen. Sie arbeitet als Näherin, malt, schreibt Tagebuch. Menschen, die Ihr entgegenkommen und sich mit ihr austauschen sind ihre Kraftquellen - ohne sie fühlt sie sich nackt und leer.

Sehen

Reni will sich sammeln, sich aufraffen, Dinge angehen. Ein Gleichnis ihres Lebens entdeckt sie in den Pflanzen, die sie hegt.

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Erfährt nicht jeder "Behinderungen" im Leben? Reni erzählt von ihren, von Verlusten, von Auszehrung und neuen Kraftquellen.

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So jetzt geht’s los, hab dann auf Los gedrückt.
Ja, ja. OK Das kann man auch alles rausschneiden, das ist ja das Schöne

Genau: Man kann alles rausschneiden, man kann auch Dinge noch mal wiederholen, oder wenn Ihnen später noch mal irgendwas einfällt, können Sie es noch nachtragen und so, das ist alles kein Problem.
Ja, weil... (räuspert sich zweimal)

OK. Sie haben sich gestern Gedanken gemacht, was Sie heute erzählen wollen, haben Sie gerade gesagt.
Ach ja (lacht verhalten; zögert, lacht verlegen) – Also, wenn Sie das so anfangen, das Gespräch, dann bin ich schon wieder – also, wenn Sie mich so direkt ansprechen, am Anfang des Gesprächs dann bin ich schon wieder ... dann bin ich wahrscheinlich grundsätzlich am Ausweichen. Aber das ist ja genau das, worauf es ankommt, denk ich oft; also, dass man eben nicht so ne zentrale ... so’n zentralen Ort hat, wo man irgendwas festmachen kann, sondern dass man eben halt Möglichkeiten hat, Spielraum, Ausweichmöglichkeiten. Und... ja... ich hab darüber nachgedacht, das... also das... ich will eigentlich mal da anfangen, wo ich was ich jetzt vorhin gerade gedacht hab, bei dem Buch, weil ... Ratgeber für Behinderung hat mich darauf gebracht, dass das eigentlich 'n Thema ist für mich, was mich schon vor meiner Geburt eigentlich beschäftigt hat, weil, meine Mutter mit ihrer Freundin zusammen schwanger war, und die Tochter, dann also dementsprechend meine Freundin, dann zwei Tage, also paar Tage vor mir geboren wurde und das war um den Mitte April rum und sie ist halt am 11. April geboren und ich am 23. und sie hatte nur links 'n halben Arm. Also sie war körperlich behindert. Und wir sind aber eben schon im Bauch unserer Mutter und dann halt später im Laufgitter zusammen gewesen immer und dass ich mit dieser körperlichen, mit so’nem körperlichen Defizit immer schon umgehen konnte. Also, dass es für mich nie 'n Problem gewesen ist, jemandem ganz doll nahe zu sein, also auch an ner Stelle, wo normalerweise noch was gewesen wäre, also. Ich hab mich ihr sehr nah gefühlt. Und es ging auch wirklich, bis zur 12. Klasse war das ne ganz intensive Freundschaft. Das ist dann halt nur kaputt gegangen weil ich ... ja, weil ich mich körperlich anders entwickelt hab als sie, weil man damals auch noch nicht über so ne psychischen Ebenen sich ausgetauscht hat und da dann halt eben wirklich auch bei ihr wirklich auch 'ne Enttäuschung wahrscheinlich, die sie mit sich rumgetragen hat, die irgendwo geblieben ist, die ich dann abgekriegt hab. Leider ist diese Beziehung kaputt gegangen und ich bin ganz doll traurig darüber, heute noch, dass ich zu ihr keinen Kontakt habe und nicht kriege; ich kann das auch nicht wieder aufbauen, hab ich mehrmals probiert. Und dass ich, dass diese Behinderung letztendlich vielleicht bei mir, also auch mit meiner psychischen ... wie soll man das sagen, also ich will, weiß nicht, vielleicht Talfahrt oder irgendwie halt mit diesem Bewältigen der Umstände, ja, irgend 'ne Gemeinsamkeit hat. Und. Ja. Das ist mir heut ... das ist mir bei dem Buch... und dass ich mich ganz doll freuen würde, wenn meine Freundin das sehen würde und merken würde, dass ich an sie denke, dass ich irgendwie, dass ich das irgendwie ... dass es immer noch da ist, also ... sie ist sie, ich bin ich. Und. Ja.

Aber trotzdem gibt’s nach wie vor 'ne Verbindung, durch den quasi gemeinsamen Start, so?
Ja. Also sagen wir mal, dass ... Räumlich nicht mehr. Aber ich bin überzeugt, dass man darüber sich mal austauschen könnte. Und da könnt ich mir vorstellen, dass das 'ne Hilfe sein könnte. Also da sie auch zu ihrer Familie den Kontakt abgebrochen hat. Aber das ist ja jetzt nicht ... das ist ja jetzt ihr Leben ...

Was bedeutet denn der Begriff Behinderung für Sie?
Hach ja, eben, die ganze Frage: Wo kommt das her? Was hat das ausgelöst? Was, was... wie empfinde... was macht das mit mir? Ist das irgendwie körperlich? Ist das 'n Widerstand, den ich körperlich auflösen kann? Oder geistig, oder... wie kann ich das, was mich seelisch bedrückt sichtbar machen, also ... diese ganzen ... Fragen. Zu dem Thema, die .. also überhaupt so 'ne Art Akzeptanz dessen, dass man sich in 'nem.. in 'nem, vielleicht in 'ner körperlich-seelischen Verfassung befinden kann, die nicht sehr aufschlussreich ist, oder die nicht sehr... mit der ... man nicht viel anfangen kann, im normalen Leben oder so. Das würd ich sagen.

Würden Sie für sich selber sagen: Ich hab 'ne Behinderung? Oder ist das 'n Begriff, den Sie eher gar nicht verwenden?
Ja, hab ich oft überlegt. Also zum Teil empfindet man ja viele Umstände im Leben als 'ne Behinderung; es ist aber auch in gewisser Weise nur 'n – wie sagt man – 'n Synonym für etwas, was man zur Zeit noch nicht beschreiben, erklären, deutlich machen kann. Vielleicht so‘n auch 'n bisschen 'n Alibi, hinter dem man sich verstecken kann? Aber auch so 'ne Art Krücke, über die man sich verständigen kann, eben jetzt in der Arbeitswelt, wo man halt Möglichkeiten schaffen kann, für Situationen, die ... es ist immer 'ne Frage der Sichtweise, also ... dass man – weiß ich nicht – wenn der eine sich am Punkt A befindet, der andere am Punkt B, dass man da 'ne Brücke bauen kann, von beiden, dass man da rüber kommt. Ja. So seh ich das. Mit ... also.. Ich .. manchmal, 's ist ... kann ganz schön bedrückend sein, wenn man da drunter sich nichts vorstellen kann. Ja. Und. Ja. Was ich noch sagen wollte, dass ich mir halt... ach nee, nee, (sehr leise, zu sich selbst) das passt jetzt hier nicht hin... Na, fragen Sie erstmal.

Wie würden Sie selber das beschreiben, was Sie behindert, oder beeinträchtigt?
(zu sich selbst) Was beeinträchtigt...

Es gibt ja immer diese großen Begriffe, diese Diagnosen und so was. Das ist ja so abstrakt. Na, so, deswegen ist ja die Frage, wie erleben Sie das selber, wie benennen Sie das selber, wie würden Sie das jemandem beschreiben, der gar keine Ahnung von so Dingen hat?
Na ja, für mich behindert ... mich behindert eigentlich am allermeisten die ... es ist 'ne Unfähigkeit ... oder ist es ne ... dass ich das immer so sehr subjektiv betrachte, also dass man das aus seiner eigenen .. das zu wenig... eben, dass so ne Sachen wie jetzt passieren, dass man das zum Thema macht, dass man mal irgendwo sich damit beschäftigt, wie ... wo steht der andere grade, und ist das vielleicht etwas, was von der anderen Seite auch wahrgenommen wird, nur, dass man da eigentlich immer ... das nicht zum Thema macht. Also da nicht drüber kommuniziert, oder so. Pffff (Starkes Ausatmen)

Dass man das wahrnimmt, glauben Sie, man sieht Ihnen was an, merkt Ihnen was an? Menschen, die Sie nicht kennen?
Ja, so, meine Eltern haben schon immer gesagt, ich war ne... meine Mutter meinte, ich war 'ne schwere Geburt. Meine Eltern haben dann gesagt, später, wo ich dann versucht hab, meinen eigenen Weg zu gehen, ich ... spreche in Rätseln ... ja, so... 's gab wirklich nicht, 's gab nicht wirklich ne Möglichkeit für mich, zu fragen im Leben ... also mir wurde nicht gesagt, was willst Du eigentlich? Oder ich wurde nicht danach gefragt, was ich eigentlich im Leben will. Sondern es gab... wahrscheinlich haben meine Eltern sich 'n Plan überlegt, ich studiere mal irgendwann, also so 'n groben Plan; und dann lern ich vielleicht Auto fahren, oder so, und dann hat sich alles ganz anders entwickelt. Eigentlich fängt das bei mir in der Pubertät an, also, das ist ... bis dahin war ich 'n 1A Kind, also ich war immer die beste in der Schule, und ... wat weeß ick, Sport war ick super... und

Was hat sich denn verändert in der Pubertät?
Na, ich denk mal, mein Körper hat sich verändert. Aber – es gab darüber keinen Austausch. Aber... A: mein Vater war 'n Einzelkind und B: hatte meine Mutter 'ne ganz, ganz schwere Kindheit. Und... ich ... glaube heute, dass ... sie selber ihre Kindheit nicht bewältigt hat. Nach dem, was ich halt nach ihrem Tod erfahren hab, was Sie selber aufgeschrieben hat, aber was sie niemandem erzählt hat, glaub ich, dass wir... dass die, die ... meine Pubertät einfach nur ne Konfrontation ... mit ... also, ich weiß auch nicht,.... ich kann das gar nicht beschreiben, also das ist einfach ... ich hab jedenfalls nicht gewusst, was ich will, ich bin immer nur angeeckt so, also meine Pubertät war... wirklich schwierig. Und das ist es auch geblieben ... und....

Worin bestanden die Schwierigkeiten dann später? Im Erwachsenenleben?
Ja. Es ist die ganze Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Also besser gesagt, die nicht stattgefundene Auseinandersetzung mit den ... ach, das wir uns... ich hab mich mit meiner Mutter ganz viel gestritten; ich war, also wirklich 'n ... ich bin dann Punkt gewesen, bin in die Kirche gerannt, hab Drogen genommen und geraucht und bin abends spät nach Hause gekommen und hab überhaupt nicht mehr studiert, meine Leistungen sind schlecht geworden, und so weiter, irgendwann ... ja ... ja, halt mit 19 hab ich dann mein erstes, meine Tochter bekommen – dass wollt ich sagen, jetzt mal, um die Kurve zu kriegen, was ich mir vorher überlegt hatte, dass neun Uhr ne schöne Zeit ist. Donnerstag Neun Uhr da hab ich meine Tochter entbunden. Und insofern.. Ja. ... Tja.

War das 'ne Entscheidung dann, mit 19 ein Kind zu kriegen? Im Sinne von: dann erwachsen werden? Bewusste Entscheidung?
Ja.
Nee. Aber ich hatte, ich zum Beispiel mal ne Zeichnung gemacht, für die Schule, und da sollten wir dann ... ich weiß nicht, ob wir da irgend 'n Thema hatten? Jedenfalls, also, ich habe gemalt, 'ne Bleistiftzeichnung hinter 'nem Trümmerfeld, also Krieg war irgendwie, und davor stand 'ne Frau mit 'nem Tuch so, und die hatte 'n Baby im Arm. Und dann hab ich mir auch irgendwann in der Zeit 'n ganz weites Kleid genäht, also das war schon irgendwie 'n Ausdruck dafür... für meine körperliche Entwicklung, denk ich mal, aber so bewusst war mir das nicht. Also bewusst hab ich’s nicht gemacht. 'S war nur halt einfach meine Liebe, die ich so fürs Leben hatte. Aber ich glaub nicht, dass ich die groß ... dass mich da... ja, also ich hab zum andern Teil, das mach ich bis heute, das tut mir auch immer wieder weh, mich daran zu erinnern, körperlich, dass ich in dieser Krise, dass mir das damals auch mit der Körper... mit meiner körperlichen Entwicklung, aber auch 'ner ... ne Veränderung in der Beziehung zu meinen Eltern aufgetan hat, und die (seufzt), ja, die war also sehr anstrengend. Und ich glaube, die ist es bis heute und ich denk mal, das ist auch ... der Grund warum ich jetzt hier tagtäglich arbeiten gehe, also , um das einfach für mich auf ner Ebene mich zu bewegen, die .. die mir 'n Leben möglich macht, 'n ganz normales Leben. Und.... Ja.

‘N ganz normales Leben.
Na ja, was heiß: ganz normal? Sie fragen aber auch Fragen, ich meine, das ist ja wirklich, als wenn Sie die Stecknadel im Heuhaufen suchen. So...

Wie sieht so Ihr ganz normales Leben aus? Beschreiben Sie mal so ‘n Tag. Gibt’s so was, 'n ganz normalen Tag?
(druckst)... ich weiß nicht, (muss erstmal was trinken???) Es ist also grade 'n bisschen doof. Also mir fehlt... so ‘n bisschen des ... des ...fragen Sie mal doch, doch 'n bisschen mehr... kann man das denn nicht raus... kann ich nicht 'n bisschen mehr mit Ihnen kommunizieren als das ich jetzt hier vor mir her rede, sondern nur... so ‘n Monolog halte...

Ja, ja – Aber versuchen Sie doch mal so ‘n Tag zu beschreiben, wie der aussieht, so ‘n ganz normaler Tag.
Oh! Tagesablauf? Ja
Also: der Wecker klingelt halb sechs

Um so ne Idee zu kriegen, wie läuft so, der Alltag?
Halb sechs klingelt der Wecker, dann muss ich mein Kind aus dem Bett holen, falls also, ich setz ihn hin, auf meinen Schoß und lass seine Beine runter baumeln, dass er gar nicht in die Gefahr kommt, erstmal schlechte Laune zu haben, den ersten... den ersten Kraftakt sozusagen, den vollbringe ich immer noch, also, wenn ich ihn anspreche, akustisch ist er ja gar nicht zu erreichen..

Wie alt ist er jetzt? Neun? Zehn?`
Der ist jetzt zehn, ja. Akustisch ist er gar nicht zu erreichen, Frühmorgens, da würde das... da kippt es schon sofort um, da (Kräht...) lass mich in Ruh.... So. Na, ja dann wird gefrühstückt, um sieben muss er los, da muss ich ihm wirklich jeden Schritt dreimal sagen..

Tasche packen, Jacke nehmen
Ja, das hat er hoffentlich schon vorher... was er alles nicht vergessen darf. Ja, dann fahr ich auch ... bis um acht hab ich noch 'n bisschen Zeit, die Wohnung in Ordnung zu bringen, dann fahr ich um acht auf Arbeit, dann ... wenn ich jetzt... ja ... Neuerdings hab ich mir jetzt gemacht, dass ich drei Tage länger arbeite, also bis um drei, ja dann komm ich nach Hause und da bin ich erstmal völlig leer. Richtig leer. Also .. scheint... also ich mein... manchmal schaff ich’s nicht zu Fuß zu gehen. Der Weg ist wunderschön, hier am Weißensee lang, aber ich schaff’s halt nicht, das jeden Tag zu machen. Also eigentlich steige ich... geh ich aus ‘m Haus raus und fahr... steig gleich erstmal aufs Fahrrad. So. Und da setz ich mich hier an die Nähmaschine und fahr da weiter meine Nähmaschine
Weiter auf dem Fahrrad..
So. Und dann komm ich irgendwann nach Hause, da geh ich zwischendurch noch einkaufen, und dann...

Und dieses Gefühl, da bin ich ganz leer? Hat das was mit der Umstellung zu tun?
Das keine Phasen dabei sind, wo ich mich regenerieren kann. Das ist mir eigentlich sehr bewusst. Aber ich kann’s nicht ändern. Und...

Was könnten Sie da brauchen? Was wär’ ne Phase der Regenerierung?
Na, zum Beispiel, dass ich schaffen würde, zu Fuß zu gehen, also ... das wäre schon so ne Erdung und dann könnt ich damit was anfangen. Aber teilweise schaff ich das nicht, mich selbst zu erden. So. Und dann ist das alles immer so bwwwwww…, wie so ‘n

Also wär Erdung ne körperliche Bewegung? Oder, weiß ich: ne Stunde auf dem Sofa liegen?
Ja, das ist auch so was. Sowas kann ich nicht mehr ... für so was hab ich eigentlich gar keine Ruhe. Ja, dann...

Sind Sie so... um drei, halb vier zu Hause?
Ja, also, ich muss inzwischen. Also nachmittags ist ... tut sich für mich sowieso immer so 'ne gähnende Leere auf, und dann halt, wenn ich dann noch von der Arbeit komme und nicht irgendwas habe, was mir Freude macht, oder irgendwie so ... irgendwas eigenes, so irgendwas für mich, oder, irgendwas, wo dran ich mich so aufbauen kann, dann.... ja, dann... passiert erstmal gar nichts. Und dann muss ich sehn, dass … mein Sohn kommt denn auch gleich nach Hause, und dann... will der gleich an ‘n Computer, und dann muss ich erstmal sehen, dass ich soweit wie möglich schaffe, ihn davon fern zu halten.. ja und dann muss ich halt... dann hab ich halt noch ne alte Dame, die ich versorge, wo mit... also Müll runter bringen, und jetzt ist er – geht’s ihr nicht so gut...

Ne Nachbarin im Haus?
Ne Nachbarin, ja. Aber das ist jetzt ganz schön. Also, das tut mir gut. Die hat Interesse an mir, die freut sich... Die sagt immer, wenn ich da bin: Ach, mein Engelchen, da freu ich mich. Ja Das ist richtig schön da. Tja, dann hab ich ... dann muss ich noch mal mit dem Kind... noch mal Abendbrot...äh Schularbeiten machen, und dann irgendwann auch Abendbrot, und dann, wenn der im Bett liegt, dann bin ich so was von fertig... natürlich hab ich dann noch Wäsche gewaschen oder 'n bisschen sauber gemacht so, dann bin ich körperlich so fertig, dass ich eigentlich keine Kraft mehr habe, noch irgendwas für mich zu machen, zumal mein Kind auch den Anspruch erhebt, dass ich rund um die Uhr... also dass er auf der selben... also, dass er auf Augenhöhe mit mir kommuniziert. Nicht irgendwo 'ne Stufe drunter, sondern, da ja kein Vater da ist, er... ist er ... also, erhebt er sich in die Position eines Partners. Oder wahrscheinlich, weil ich auch 'n Partner brauche. Und das ist das ganze Dilemma, in dem ich stecke, wenn ich ihn nämlich auf der Kinderebene lasse, und mich... ja, dann bin ich da oben ganz alleine. Und... na ja.

Und tragen die Verantwortung dann auch ganz allein. Und die Organisation und alles, was so dran hängt.
Na ja. Das ist, das ist ja – die Diskussion hab ich ja jeden Tag und immerzu. Ganz alleine mit ihm, dass er auf 'ner Ebene mit mir kommunizieren möchte, wo er, er weiß alles, kann alles, er macht aber nichts. Und ich bin dann zu müde, Um ihn dann auch noch, im Endeffekt, ... um ihn dann auch noch auf seiner Kinderebene ins Bett zu bringen und dann hinterher für mich noch diesen, dieses Stückchen zu bewahren, was meins ist. Des ist dann aufgebraucht. Und deswegen... weiß ich nicht,
sitzen wir beide an derselben Stelle in der Kurve und versuchen irgendwie.... Ja. So sieht mein Tagesablauf aus. ja, denn versorg ich noch meine Fische und meine Ratte... Ja.

Und wenn Sie sagen, Sie haben kaum Zeit für das, was meins ist, was könnte das dann sein, was würden Sie sich wünschen, wofür dann Zeit und Energie noch da ist?
Na ja.... als .... um dieses nach innen gehen ... sich zu sammeln, überhaupt sich erstmal bewusst machen, was mit einem selber ist, sich selber akzeptieren ... dazu gehört dann eben mal ... sich ... also die Fähigkeit, ... überhaupt die Fähigkeit zu haben, erhöhen, klare Entscheidungen zu treffen, besonnen... über... also , über irgendwas nachzudenken, 'n Plan zu machen – das sind alles so Sachen – dafür hab ich gar keinen... gar keine Gelegenheit, zumal ich da halt meinen... mit meiner Familie auch darüber nicht kommunizieren kann. Wo wir wieder am Anfang des Themas wären. (lacht.)

Wäre das so ne Art Reflexionsraum? Gedankenraum? So bestimmte Dinge klar kriegen, indem man darüber nachdenkt, oder austauscht?
Na ja, dazu bräuchte man 'n Partner. Dazu bräuchte man jemanden, der einem das auch abverlangt, der auch weiß, worum’s geht, also, dass man die Energie ja nicht wirklich an einen Ort – dass man nicht einfach nur 'n Stecker in 'ne Steckdose steckt und dann kommt das Strom raus; sondern dass man ... dass Energie was ist, was fließen muss und in Bewegung sein muss, und dann kann man sich da drin auch irgendwie begegnen und was weiß ich, was alles. Aber wenn man das .... alleine machen muss, an einem Ort ist, wo man das – also, ich weiß nicht, dazu ist da auch alles zu ausgelaugt bei mir, also ... und ich denke mal, nach dreißig Jahren Kindererziehung ist das alles einfach für mich auch ausgelaugt. Diese Abwechslung fehlt mir, dass ich da irgendwo ... mal ... so auch im Alltag – so mal täglich auch mal so meinen kleinen Urlaub hab. Oder so, ja? Meinen kleinen täglichen Urlaub.

Mir geht so ’n Bild im Kopf, das das so schwierig ist, die Energie zum Fließen zu kriegen, wenn man alleine ist – so was?
Ja. Na ja, weil man ja selber derjenige ist, der einerseits den Schalter anmacht, aber andererseits auch wieder den Schalter ausmacht. Und Nutznießer soll ja eigentlich das Kind sein. Aber man selber ist ja eigentlich nur damit beschäftigt, die Energie, die gebraucht wird, zu produzieren, damit man ihn wieder anmachen kann, ja?

Man hat keinen Input.
Ja.

Alles für sich selber... sie müssen das alles für sich selber am Laufen halten..
Ja

Und gucken, wo krieg ich die Energie her, wie bau ich die Energie auf... und ... fehlt so ’n bisschen der ... wie soll ich sagen... der Motor, der Input, der Ihnen dabei hilft, das zu machen. So?
Ja, na ja,.. ich hab ... und das ist eigentlich auch das, was ich ... also, wie ich versucht habe, mir das... jetzt, dieses Thema Behinderung für mich ... wie soll ich sagen, also ... um das für mich aufzuarbeiten, oder so. Vorher hab ich halt einfach wann mal ... schon vor langer Zeit, nach meinen zweiten Kind hab ich beschlossen, mir mal über Winter ... also, mir mal Blumentöpfe in mein Zimmer zu stellen, und dann hab ich angefangen, die so ...auch durch den Winter bringen, zu bringen. Und das war eigentlich so der Anfang, und das hab ich mir nämlich aus zu Hause überlegt, dass ich darüber reden wollte; weil das war so der Anfang, die ersten Jahre sind mir eben von fünf Blumentöpfen dreie eingegangen und das nächste Jahr hab ich dann eben bloß.. sind eben nur zwei eingegangen und ich hab drei durchgebracht oder so. Ja und so ist das immer mehr geworden und dann hab ich das ... hab ich irgendwann auch gedacht: na ja, dann pflanzt man eben so’n Samen in die Erde und ... oder steckt man so ’n Samen in die Erde und dann kommt da was bei raus. Und die Pflanzen sind eigentlich für mich ... 'n Gleichnis. Für meinen seelischen Zustand. Wenn’s den Pflanzen schlecht geht, geht’s mir auch schlecht. Also muss ich sie gießen. Ich meine inzwischen bin ich schon so, dass ich im Winter, rausgegangen bin und hab mir den Schnee in so ne große Tonne reingebracht die hab ich dann in die Toilette gestellt und hab ich da mal, als das aufgetaut war, von die Blumen gegossen, damit im Grunde genommen ich mir auch noch Gedanken machen muss, wo krieg ich das Wasser her. Sondern dann hab ich halt so ‘n .. so ‘n Kreislauf da für mich .. also, dass dieser Kreislauf immer ...

so ‘n natürlicher Kreislauf..
Ja. Und... ja, inzwischen hab ich 'n kleinen Garten.

Und also?
Aus den fünf Töpfen ist 'n kleiner Garten...
Ja, ja. So ungefähr. Na gut, ich hab inzwischen auch drei Jungens. Also, ich hab mich schon auf unterschiedlichste Art und Weise mit den ganzen Entwicklungen da beschäftigen müssen. Na ja. Ja:

Natur spielt schon ‚ne große Rolle für Sie?
Na, ja, vor allem, weil ich auch gemerkt hab, wenn ich alleine irgendwo bin .. und ich bin jetzt seit 1989, seitdem ich im Krankenhaus war, leider (ziemlich??) Irgendwo muss ich mich ja auch wieder aufbauen, also, ich meine ... 'n Haus oder 'ne Wohnung war für mich keine Ort, an dem ich irgendwo Wachstum oder Energie gegeben hat. Ja, der mir ... da ist nichts von alleine passiert. Aber so 'ne Pflanze, wenn man die bloß 'n bisschen gießt, die wächst schon, die verändert sich schon, also, das ist schon 'n kleiner Partner, mit dem man kommunizieren kann. Und ... ja, ich hab’s dann halt so weit geschafft, dass ich ... doch das... Pfirsichkern und Aprikose bei mir aufgegangen sind. Kirsche hab ich leider noch nicht geschafft und Pflaume auch nicht, aber Aprikose und Pfirsich hab ich schon.

Da gibt’s ja noch 'n Projekt.
Ja, und ich... meine Idee ist ja, dass ich irgendwann ... also bei dem Pfirsich, da ich nur einen habe, aber bei der Aprikose, hab ich mir so überlegt, könnte man Wergo (??) einen abgeben, und die können dann irgendwann, wenn es denn so weit ist, nach weiß ich nicht, wie viel Jahren, kleine Aprikosen ernten und dann können wir in der Küche Konfitüre kochen und dann können wir die verkaufen. Und dann können wir noch 'n kleinen Laden aufmachen, das ist mein Plan ... oder also

Das ist ja schön!
Ja.

Sie waren, haben Sie gerade erzählt, 1989 in der Klinik?
Mhhm
*
Das war das einzige Mal, oder?*
Mahmm. (Zwischenfrage, drüber gesprochen, unverständlich, etwa: ... haben Sie das erzählt) Ja Das war genau, wo die Mauer gefallen ist. War ich in der Klinik. Alle haben gefeiert und ich hab da (lacht) ähh. Ach – wie das passiert ist... (langes Zögern) Na, ja, ich hatte schon zwei Kinder, 82 und 84 geboren, war 86 geschieden, hab wieder 'n Partner gehabt, mit dem ich mit meinem jüngeren Kind zusammen gelebt hab, und war natürlich in die ganzen Entwicklungen zu der damaligen Zeit mit ... ein ... also mit drin da... und ... da sind ... ich denke mal, ich war noch zu jung, um da wirklich durchzublicken, ich hab halt mit meinen Freunden gemeinsam ... wir waren Punks zu der Zeit und na ja, haben eben so ganz unser eigenes Leben gelebt. Und .. ich denke mal, dass die Trennung ... also, die Trennung von dem Vater meiner Kinder vielleicht weniger, aber insbesondere, dass ich meine Tochter zum Vater gegeben hab, dass das ausgelöst... dass das mit 'n Auslöser dafür war, dass ich krank geworden bin. Die Ursachen liegen woanders. Die Ursachen liegen sicherlich da, was ich gesagt hab, also mit meiner Freundin, die damals schon 'ne körperliche Behinderung hatte, also, dass viele Sachen nicht verarbeitet wurden, aber noch weiter zurück, die Ursachen liegen, denk ich mal, bei meiner Mutter und ihrer Mutter.

Also schon in der Familiengeschichte.
Meiner Familiengeschichte. Also das hat alles nur so tangiert und halt ab und an gab’s mal irgendwo ... aufgrund ... ich denke... aufgrund von ... das... also – sieht bestimmt jeder anders. Also andere Menschen gehen andere Wege ... Ich find’s immer gut... Ich hab mich immer lange ... oder immer gerne dran festgehalten, dass die Wahrheit dann letztendlich doch an’s Licht kommt, also das fand ich dann immer ganz... also ich ... und insofern, was meine Mutter betrifft, ... glaub ich ...

ist mir das deswegen wichtig, weil... ich glaube, so ‘n Leben ... so‘n Mensch, der braucht auch ne gewisse Statik oder 'ne Standfestigkeit im Leben. Und wenn die aufgrund von irgendwelchen ungeklärten Vergangenheiten irgendwie nicht so gegeben ist, dann ist das Ganze mit dem Leben auch nicht so ... frei ... also, dann ist man immer irgendwo... in irgendwas eingebunden. Dann hat man im Grunde genommen... wenn,... wenn man das nicht rauslassen kann... also, das hab ich in der Zwischenzeit gelernt... wenn mich irgendwas bedrückt, wenn ich mit irgendwas nicht klar komme, dann schreib ich Tagebuch, dann hab ich das erstmal aus mir raus, und dann hab ich wieder Platz in mir für was Neues. Also das ist dann nicht mehr ganz so... liegt mir nicht mehr ganz so auf der Seele, wie, wenn ich nicht drüber rede, also, wenn ich nicht drüber reden kann, dann ist es ja mal so, dass man damit alleine ist, so 'nem Kloß.

Und Tagebuch schreiben ist auch ne Form drüber reden... Mit sich selber dann..
Ja.

Verschriftlichen, in Worte zu bringen und so was..
Ja bloß, da müsste man dann halt weiter machen, komm ich aber leider nicht zu..

Weitermache würde heißen?
Na zum Beispiel die ganzen Texte, die sich da über die Jahre aufgestaut haben, oder ange..häuft haben, mal wirklich zu sortieren und mal ... 'n kleines Büchlein draus zu machen, zum Beispiel, also, was man weitergeben kann, an Menschen in ähnlichen Situationen. Und von denen hab ich genug kennen gelernt und ... also ... es gibt ... man kann ja aus allem 'n Problem machen ... einfach nur ... um 'n positiven Schritt für sich zu gehen und das würd ich wirklich gerne noch irgendwann mal machen... Ich weiß allerdings, dass es 'ne sehr schwere, harte Sache wäre, also ... da müsste man ... nicht jetzt so emotional, ich glaub da ... haut mich das jetzt nicht mehr ... glaub ich, nicht mehr ganz so um ... oder, ich bin’s halt auch gewohnt, so halt einige Sachen durchzumachen ...

Aber sie würden..
Aber rein praktisch, also, das aufzuarbeiten, also - 'n Buch zu binden und dann wegzugeben.. also, noch 'n Stück weiter wegzugeben, also in andere Hände, genau: in menschliche Hände – das wär das/was (?)... also

Klingt so, als wär das noch 'n Traum, also
Ja

... das hinzukriegen
Ja. Und das hab ich mir jetzt ... das ist ja mein Eigenes, das ist ja das, was ich mir erarbeitet hab im Laufe der Jahre. Da steht zwar ganz viel Müll drin ... aber genau das auch mal zu akzeptieren, dass das so viel Müll ist, und vielleicht 'n bisschen was auszusortieren und auch zu sehen, was war Schönes dabei und dass es also nicht nur 'ne destruktive Geschichte ist, dieses Rauslassen, sondern dass es auch 'n Lernprozess ist... und ... da

Und der Aspekt der auch dabei ist, anderen dabei zu helfen, die in ähnlicher Situation sind, damit zurechtzukommen, das haben Sie ja gerade gesagt,
Na ja, das wäre ja dann diese bewusste Brücke, die man von A nach B bauen könnte... damit. Ja so. Das ist halt bloß für mich nicht so einfach, weil ich einfach nicht die Zeit hab! Weil ich .. weil mein Leben ... also ich könnte darüber auch jammern oder so .. aber das ist nun mal... ich hab mich da nur dreißig Jahre mit Kindererziehung beschäftigt und hab noch keine Ausbildung gemacht und das ist für mich genau das Thema... also irgendwas wird man immer im Leben haben, was man nicht schafft, und das ist für mich das, was ich nicht geschafft hab und das ... werde ich hoffentlich auch noch angehen, wenn das so mal irgendwann meine Kraft und meine Zeit zulässt...

Ich schlag noch mal den Bogen – Sie hatten vorher gesagt, Sie waren in der Klinik – Auslöser war, dass Sie Ihre Tochter zu ihrem Vater gegeben haben. Ja? Hab ich das richtig wiedergegeben, war das so?
Mhmm

Was hat Ihnen geholfen, sich da wieder aufzurappeln, aus der Krise rauszukommen, wieder nach vorne zu gehen?
(längere Pause) Hmm. Also, am meisten geholfen hat mir meine Mutter. Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass die Beziehung zu meiner Tochter nicht völlig kaputt gegangen ist. Ich glaub, ich hab ihr damit auch am allermeisten wehgetan, dass ich mich von meiner Tochter getrennt hab. Das hab ich ganz bewusst gemacht, weil ich Angst... weil ich in irgend 'ner Art und Weise Angst um den Vater meiner Kinder hatte ... ich weiß nicht, also es ist irgendwie ne ganz subtile Art.. ich kann das noch gar nicht so beschreiben, aber so ne... von ... Verantwortungsbewusstsein einfach .. also..

Ihm gegenüber?
Ihm gegenüber. Ich denke, das hatte ich ... weil meine Mutter älter war, als mein Vater... und .. daher auch gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen, und genau an der Stelle glaube ich inzwischen, das hat ganz viel damit zu tun, wie ... man.. in der Gesellschaft auch so .. die Gesellschaft ist ja eigentlich anders rum gestrickt, die Männer sind meistens die älteren, haben die Verantwortung ... und ... ich bin ... hab dann auch 'n älteren Mann kennen gelernt, aber das war

auch, glaub ich, der Grund warum ... ich manche Probleme ... warum ich ... wir nicht weiter gekommen sind, also ich weiß es nicht, aber ... jedenfalls ... es ist für mich so lange der Grund, bis ich da nicht irgendwo jemand gefunden hab, der gesagt hat: da haste recht. Da haste recht, also bis jetzt hat mir das noch keiner so wirklich gesagt, also, ich kenn ganz viele Frauen, die älter sind, als die Männer, mit denen kann ich wunderbar reden, und das haben wir uns die ganze Zeit ja ... uns geht’s doch gut, wir sind doch gar nicht behindert, aber... die Beziehung zur Gesellschaft, also diese, diese zeitliche ... Differenz oder so.. ich weiß nicht wie man das nennen sollte, ... das zu verarbeiten, dass ... hab ich bis heute ... also, denk ich, ist bis heute 'n Problem, also, da muss man immer so ne Art künstliche Brücke bauen. Also, um das dann halt auch zu sagen, OK, bis hier hin können wir uns jetzt so unterhalten und jetzt müssen wir mal irgendwas... ändern ... also, ne ganz kleine... die Position ‚n bisschen ändern, damit wieder.. die Akzeptanz des anderen wieder da ist. Also, weil das wahrscheinlich in der Natur der Sache liegt, dass... dass irgendwann... dass einem... irgendwann man müde wird, von einem immer in die gleiche Richtung fahren, oder im das gleiche Bild sehen, oder so.

Immer den gleichen Gedanken auch zu haben, sich immer mit der gleichen Frage zu beschäftigen – so was auch?
Ja, Ja. Das reibt dann auch mit der Zeit auf, und das macht Krieg, und das geht ... (Räuspern) Ja, und dann bin ich halt krank geworden, und ... also, besser gesagt, ich hab das gar nicht so wahrgenommen, meine Eltern haben’s halt nur wahrgenommen. Also ich denk, das war damals auch so 'ne Phase, wo ich auch völlig ausgelaugt war und immer weiter gemacht hab. Keine Notbremse gezogen hab und meine Eltern kannten da irgendwie über tausend Ecken irgendwo einen ... hatten da ... Bez....Verwandte oder so und die hatten da, mit psychischen... ach, mit da so 'ner Klinik da was zu tun, das war irgendwie der Leiter von irgend 'ner pychiatrischen Klinik, da sind sie wahrscheinlich darauf gekommen, ich könnte psychisch krank sein, wenn die ... wat weeß ick ... 'n Zahnarzt gekannt hätten, dann sie mich wahrscheinlich (lacht laut und etwas schrill) wahrscheinlich irgendwie zur Zahnbehandlung geschickt, oder so, ja? Also ... insofern... (lacht wieder)

Können Sie den Begriff „psychisch krank“ für sich annehmen, oder sagen Sie, das sind Begriffe, die gar nichts mit mir groß zu tun haben?
Ja, ich weiß nicht, also, ich kann das annehmen, inzwischen, weil, ich hab mich ja auf den Weg gemacht, bestimmte ... mein Leben mit dieser Diagnose, oder überhaupt mit diesem Umstand, dass da irgendwas... überhaupt, das überhaupt erstmal gelernt zu betrachten, dass da irgendwie was zu tun ist; dass es da jetzt Arbeit gibt, oder so, und ... hab ich ... also ... Ich sag ja, ich hätte auch .. ich hätte auch anders auf die... zu demselben... zu demselben Ergebnis kommen können. Also...

Was für ‚ne Arbeit ist das, die da zu machen ist?
Na, ja, diese... Psyche... die Arbeit, die zwischenmenschliche Arbeit, oder dieses sich tagtäglich dazu aufraffen, das immer wieder anzugehen ... und so, das immer wieder anzugehen, dass es ...

dass es nicht von alleine kommt. Einerseits bin ich mit ziemlich guten geistigen und auch körperlichen Fähigkeiten ausgestattet, da kann ich auch Höchstleistungen vollbringen; aber andererseits hab ich eben auch 'n großes Manko, was eben immer wieder dazu führt, dass ich in diese... in dieses bewusste schwarze Loch falle, und dann fängt das wieder von vorne an. So. Und – wo das nun herkommt und alles, dass, dass – damit hab ich mich eben gelernt... hab ich eben gelernt im Laufe der Zeit mich damit auseinanderzusetzen. Und dieser Krankenhausaufenthalt damals, der war aber noch gar nicht für mich so... das war schlimm! War irgendwie... weiß ich nicht, hab da irgendwelche Medikamente gekriegt und dann ... war ich weg vom Fenster.

Was nicht Ihre Entscheidung war, damals.
Nee, es war nicht meine Entscheidung. Und ich wollte da auch wieder weg. Hab mich da wieder entlassen lassen. Also das war... das hatt(e) überhaupt nichts mit positiv zu tun, für mich.

Das, was Sie gerade beschrieben haben, kam alles später...
Das kam alles später, viel später; also: am Anfang konnt’ ich das nicht akzeptieren. Das hat mich gekränkt, das hat mich total belastet (atmet tief durch) ja, und da war’s halt so. Da musste man dann Medikamente nehmen, damit man ... ach ich hab mich dann eigentlich nach der Wende auch gar nicht mehr damit beschäftigt; dann hab ich einfach mein Leben so weiter gelebt, ich hatte einfach meine persönliche Situation, mit der ich mich beschäftigen musste...

Das kam dann nie wieder zu 'nem Psychiatrie-Aufenthalt?
Nee... aber ... es kam aber auch nicht zu 'ner Ausbildung.
*
Und es kam immer mal wieder zu den schwarzen Löchern auch.*
Ja, dass sich halt ... dann ... ja

... aus denen sie immer wieder rausgekrabbelt sind, und sich immer wieder selber gestärkt und wieder nach vorne geguckt...
Na ja, ich denke mal, das hat ganz viel damit zu tun, dass meine Tochter nicht bei mir groß geworden ist, das ist ja bis heute noch 'n Thema, was ich noch nicht... wirklich... verarbeitet habe. Lange Zeit konnt’ ich keine... keine Mütter mit .. vier-, fünfjährigen Mädchen sehen, da hab ich noch 'n Heulkrampf gekriegt, dann hab ich immer wieder mir vorgestellt, meine Tochter endlich mal auf den Schoß nehmen zu können und sie übern Fahrsch... sie über’s Haar zu streicheln... und das auch noch, als sie 20 Jahre alt war. Ich hab’s inzwischen geschafft: einmal hab ich mit ihr im selben Bett übernachtet, seit neunzehnhundert... wann war das ... seit 1986. Wir haben einmal zusammen im selben Bett übernachtet und einmal durft ich sie fünf Minuten in den Arm nehmen,

das hab ich ... das ist die stärkste... die nächste intensivste Nähe, die ich zu ihr hatte. Wo sie das auch zugelassen hat. Aber... sie kann das ganz schwer... also... sie malt, sie hat studiert, Malerei studiert und sie malt auch Bilder.. sind keine Menschen drauf. Also, es ist keine Nähe da, sie hat nur Häuser gemalt, jetzt malt sie inzwischen keine Häuser mehr, sondern Holzverschläge, Holzbehausungen, also, sagen wir mal mal so, das ist durchlässiger geworden, ja? Also es ist nicht mehr steinhart, sondern es ist durchlässiger geworden, das ist 'n großer ... Schritt, find ich; macht Ausstellungen, ...

Aber dann hat sie ja 'n Talent, das Sie von Ihnen hat, wahrscheinlich, weil Sie ja auch gemalt haben..
Pffff... vielleicht ja, also ... sie malt aber sehr, sehr große Bilder und ... der Vater war Maler, also der hat hier die Wände gestrichen, Zimmer tapeziert, und so; und sie malt sehr große Bilder, und ich hab immer gerne so... dieses, was wir jetzt machen, da macht mir nämlich Spaß, und so, also, so interaktive Sachen, also ich hab gerne nach dem... nach der Natur was gemalt, also ich hab mich gerne vor’n Stillleben gesetzt, ich mal gerne Portrait ... und ... und sie macht halt ... 'n Foto, von 'ner Situation... und dann .. malt sie das ab. Und dann malt sie... sie malt flächendeckend... und insofern hat sie auch was von ihrem Vater. (Lacht)

'Ne Mischung eben. Das Flächendeckende und das Kreativ-künstlerische zusammen.
Vielleicht, ja.

Kommen Sie selber noch zum Malen? Malen Sie privat auch?
Nee – selten. Also hier... bei (WERGO) gibt’s ja die Kunsttherapie, da mach ich sehr gerne, dann hatt ich jetzt 'ne Kur, 'ne Mutter-Kind-Kur, da hab ich auch 'n schönen dicken Zeichenblock mitgenommen und hab dann ... ja ja, fünf, sechs Bilder so ... gemacht. Also nicht täglich, aber auch 'n bisschen was gemalt, das hat mir Spaß gemacht; ich weiß, dass malen immer sehr anstrengend wird, an irgend 'nem Punkt, aber das find ich ja grade das reizvolle, dass man selber entscheiden kann, ob man dann aufhört oder weitermacht, .... und ... ja.... Und ansonsten komm ich leider nicht dazu. Nee. Würd ich gerne machen. Würd ich wirklich gerne machen, also ... ich hatte auch überlegt, wenn ich denn irgendwann 'n Buch mache, dann würd ich meine ganzen Zeichnungen, die ich mal irgendwann gemacht habe, da mit reinbringen, so... ja.

Als Illustrationen dann auch
Ja..

Gut, hört sich gut an
Ja.. nee, - also Malen ist eigentlich was sehr, sehr schönes, weil, da kann man sich so mantschen, und, also, auf, auf,... was zusammentun – weiß ich nicht. Erde find ich sowieso toll, und dann halt irgendwie so ... Farben haben auch so was... geerdetes, kann man dann halt ... die Konsistenz.. mal fester, mal flüssiger... machen, und dann halt irgendwie so alles ... Aber ich neige auch zum Teil dazu, dann wirklich ... so richtig alles.. Also, wenn’s nicht mehr... wenn mir die, die ... Vision fehlt, dann neig ich dazu, alles ganz ... zusammen zu mantschen, also wirklich.. 'n schwarzen Fleck zu machen. Das ist das mit dem... mit der Psyche, und das ist das, wo ich dann auch nicht mehr rauskomme, wo ich dann deprimiert auch irgendwo dann ....

Aber das Zusammen-Mantschen ist ja schon 'n Weg auch damit umzugehen
Mmhhmm – Nee, solange.... also das gibt so ‚ne emotionale Schwelle bei mir – wenn es da drüber bleibt – das ist wie mit ... mit so 'nem Grashalm, der aus der Erde wächst. Wenn das drüber bleibt, dann ... dann bin ich auf der Erde, heißt also, es gibt keine Abgründe und so, also, ich kann 'nen Weg gehen. Dann ist es in Ordnung. Aber, wenn das jetzt in 'n seelisch-moralischen Abgrund abdriftet, wenn die Schwelle unterschritten ist, das heißt also, wenn ich nur destruktiv da irgendwie mit umgehe, dann...

...gibt’s den Grashalm nicht
(fragender Laut)

... gibt’s den Grashalm nicht, der rausguckt. So.
Ja, wenn ich in die Vergangenheit... der Grashalm steht für Zukunft, und wenn ich aber in die Vergangenheit abdrifte, dann wird das für mich einfach nur... dunkel. Also dann schließt sich für mich da die ...Erstmal. Also, ich bin da ja auch schon durch und inzwischen kann ich ja halbwegs damit umgehen.

Heißt, das passiert Ihnen nicht mehr so oft? Das dunkle Loch beim Zusammenmantschen
Nee, nee, also ... früher war’s... also, 's gab – es gibt auch viele Leute – meine Mutter hat das oft gesagt, dass es wirklich besser geworden ist, und meine Familienhelferin sagt das zu mir und ich merk das auch selber, dass ich halt ... besser... oder ..klarer, deutlicher mich selber reflektiere... oder... 'ne Situation analysieren kann, oder auch 'n Plan machen kann für mich, weil ich eben auch weiß, wie... an... was für’n seidenen Faden das meinetwegen hängt, ja... Woraus ... wie wenig wirklich an Positivem da ist. Also ich muss mich ganz doll daran fest halten, an diesem kleinen Grashalm. Sonst....

Also, Sie wissen mittlerweile auch ganz gut, wie viel Kraft hab ich, was steht mir zur Verfügung, wo muss ich aufpassen, mich nicht zu überfordern, nicht zu viel zu machen...
Na ja.. also, ich hab generell das Gefühl, dass ich..... das nicht so richtig einschätzen kann. Also, besser gesagt... ich übernehme mich und das hab ich von meiner Mutter. Ich übernehme mich in der Beziehung. Also .... deswegen... ich muss.. ich muss... mich wirklich immer... ich darf mich da nicht auf .. zu weit rauslehnen, weil ... wenn ich mich jetzt ... auf dem... Also ich... es ist ganz wichtig, dass ich mich... an den Tatsachen, an den Fakten, an den Möglichkeiten, die ich wirklich habe, festhalte. Und da gibt’s eben nicht viel Spielraum, noch, so, der mir... der mich so trägt, oder so. Also die zweite Ebene, die gibt’s da nicht so. Ja, also. ... Das wird sich auch ...wahrscheinlich nicht wirklich ... Na ja - das ändert sich in dem Moment, wo ... zum Beispiel wo ich ... wo Leute mit entgegen kommen. In dem Moment ändert sich das. Weil ich nämlich dann auch in’nen Austausch treten kann. Also, wenn mir jemand sagt, also, pass mal auf, wir haben hier ähnliche Problemfelder, da kann man sich austauschen oder so...

Das wär so 'ne Kraftquelle
Das ist für mich 'n... Also, wenn ich dann 'n Spiegel hab, oder so, dann ist in Ordnung, ja. Aber ohne – ist schwer. Also ohne bin ich halt wirklich nackt. Da bin ich... da, da, - da hab ich nix. Ja? Außer... wat weeß icke...

Außer: sich selbst. Oder?
(zweifelnd/fragend). Mich selbst? Ja . (lacht kräftig) Mich selbst bei der (????). Ja. Gut. Ich hab mich selbst, wat solls... Ich hab meine Kinder! Das ist so... das... wo’s weiter geht. Also mich selbst.... (atmet hörbar aus)

Ja, also man ist da so auf sich geworfen, und das war so grad die Idee, die ich da grad im Kopf hatte. Dass man dann gucken muss ... was Sie vorhin auch schon so gesagt haben: wie schöpfe ich aus mir selbst die Energie jetzt, dass es weiter geht
Na ja, im Grunde genommen, versuche ich mich die ganze Zeit an meinen eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, oder ein Perpetuum Mobile zu entwerfen, und wenn nicht irgendwann der Professor kommt und (mir ‚n ????) anbietet, und sagt, er hat’s selber auch nicht geschafft, na dann kann ich selber auch nichts damit anfangen. Dann werd ich wahrscheinlich bis Ultimo machen. Also ich geh ja auch auf andere zu, das ist ja nicht, so, dass ich da jetzt drauf warte. Inzwischen hab ich gemerkt, ich kann da drauf nicht warten. Also... ich geh ja... ich such ja auch den Austausch, ne? Also... ist ja nicht...

Frau XXX, wir haben gleich die Stunde rum. Das heißt, wir sollten noch überlegen, ob’s noch Dinge gibt, wo Sie finden, die sollten gleich mit rein.
Ja, ich wollt noch von meiner Mutti sagen, dass die in der Situation, wo wir uns... also, wo ich dann meine Tochter weg gegeben hatte, und ich dann alleine war mit meinem ...Sohn.. dass meine Mutter diejenige war, die dafür gesorgt hat, dass unsere Familie immer wieder zu ... Ostern, Weihnachten,

Geburtstagen zusammen gekommen ist und sich dadurch ... wirklich ...'n... 'n.. .. ja, halt so’n familiärer Halt auch aufgebaut hat. Also wenn meine Mutter das nicht gemacht hätte, dann hätt ich wahrscheinlich wirklich nur da gestanden, und ... geklagt hätte, was.... nur meine Entscheidung bereut .. und hätte nichts ändern können. Also das ...

Haben Sie das jetzt übernommen, wo ihre Mutter gestorben ist? Oder gibt’s jetzt niemanden, der so was macht...
Na ja, das ist schwer... halt, weil ich ja 'n anderer Mensch bin. Sie haben ja auch andere Möglichkeiten gehabt, also, sie haben ein großes Haus gehabt, und 'n Garten, und da war eben Platz für alle... Ich hab zwar auch 'nen kleinen Garten, aber der ist wirklich nur ganz mini; und ich hab da keinen Platz, und ich hab auch nicht so viel Geld, ich hab kein Auto, ... das sind alles so Sachen, wo ich die Möglichkeiten hab, jetzt meine ganze Familie da irgendwie unterzubringen. Ich werd das schon, ich mach das schon irgendwie, aber, das ist wirklich ... ja... sind andere Umstände, ... halt. Sie hat auch’n Partner dazu, 'ne, also, sie musste ganz viel Arbeit schon dafür investieren, ganz viel Kraft; aber mein Vater, der hat ja dann auch alles Mögliche da mitgetragen. Und ..... also, ich versuch das ... durchaus... aber ... das ist ja grade das Dilemma, dass ich ja 'ne andere Entscheidung getroffen habe, ich hab ja die Entscheidung getroffen, die Kinder zu trennen, und die Tochter wegzugeben und ich denk mal, jetzt kommt auch von meiner Tochter 'n bisschen was, die macht ja jetzt so 'ne Ausstellungseröffnung, und die hat.. wohnt jetzt, lebt jetzt in so 'nem Künstlerhaus, hat 'n Stipendium bekommen, und da hat sie uns jetzt alle eingeladen, die ganze Familie. Also das ist... meine Tochter macht... versucht das jetzt auch aufzugreifen, so, und dann macht sie halt mal so’n Familienwochenende, was ich ganz toll finde. Aber ich hab eh nicht die Position, auch nicht die Autorität in der Familie, dass die Jungs – wenn ich... ich hab, ich hab jetzt ganz viel Arbeit, ja, im Garten. Es gibt ganz viel Arbeit. Aber wenn ich dann mal ... erst haben sie alle geschrien: ja, wir helfen Dir! So. Und wenn ich denn jetzt mal was sage, ja, so, jetzt brauch ich mal Deine Hilfe – oh Du, ich hab da aber grade was zu tun. Also...

Da haben sie keine Lust...
... fällt... da kommt denn jetzt auch in den falschen Hals. Sozusagen. Aber dann... Inzwischen bin ich ja soweit... ich möchte noch kurz was da zu WERGO (?) sagen, dass ich ja jetzt sechs Jahre hier bei WERGO arbeite, und dass ich das jetzt das siebente Jahr mache, ... und ... dass ich ..... ja eigentlich vorhab, diese externe Ausbildung noch zu machen. Und wenn ich das jetzt sieben Jahre – und sieben ist 'ne gute Zahl... und wenn ich das dann sieben Jahre gemacht hab, und nächstes Jahr hoff ich ganz doll, dass ich das machen kann, weil, dann könnt ich nämlich diese ganzen Ideen, die ich jetzt gesammelt habe, so, ... sozusagen weitergeben. Und..... ja.

Wo sehen Sie sich dann in sieben weiteren Jahren?
Das seh ich noch nicht.

Sehen Sie noch nicht.
Also...

Ist auch 'ne lange Zeit.
Ja. Also erstmal, dann ist mein Sohn wahrscheinlich schon.-. halbwegs erwachsen, dass ich dann wirklich mehr Zeit hab. Und dann... könnt ich mir vorstellen, ja, dass ich mit Kindern... zum Beispiel, dass ich in Schulen, mit Kindern, in Familien, so – ich hab ja selber 'ne Familienhelferin ... dass ich versuche, aus Krisensituationen die Kinder raus zu nehmen und dann halt mit denen was zu machen, so dass die für sich was finden, was ihnen Spaß macht, oder , also grade, so 'ne Vertrauensebene aufzubauen, zu Leuten, die in 'ner Krise sind, weil’s ja oft von den Ärzten, von der ärztlichen Seite oder von der anderen Eltern-Seite nicht so möglich ist, und dass man dann halt schneller da ankommt, wo man ... hach, schön, ganz alleine, wenn jemand mitkriegt, der hat das auch schon mal gehabt, so 'ne Krise. Der war auch schon mal im Krankenhaus.
*
Das ist ja genau die Idee von Ex-In, dass das nicht in der Hand der Mediziner bleibt, nicht..*
Ja, ist aber allerdings auch, dass man sich selber sehr gut kennen muss, und auch immer wieder bei sich selbst die Situation durchmacht – man befindet sich dann ja mit dem anderen in der Krise! Das heißt nur, dass man lernt, gemeinsam sich gegenseitig so weiter zu bringen, dass man ... also man muss, im Grunde genommen, krisenresistent werden. Ja, so. Aber ... also... gibt ja mehrere Aspekte, die dann dabei auch möglich sind, ne? Also, erstmal dass man sich dann ‚ne gewisse Technik dann wahrscheinlich aneignet, .... Ja...

Na ja, und dass man für jemand anderes dann auch da ist. Und das ist ja auch was, was anstrengend ist, aber auch Kraft gibt und das auch weiter gibt
Dass man auch Zeit hat, man, man kriegt es ja dann im Grunde genommen ... das, was ich ganz oft gedacht hab, wenn jetzt irgendjemand da ist, meine Familienhelferin... dann hab ich ganz oft gesagt, na ja, Du kriegst ja ... du verdienst ja mit meinen Problemen, mit meinen Problemen verdienst Du ja Dein Geld. Und hat mich ganz oft, also, dieser Gedanke – der hat mich fertig gemacht. Also der hat mich emotional total fertig gemacht; aber genau, wenn man diesen einen Cent, den sie da meinetwegen verdienen würde, wenn’s um den geht, und wenn man den aus dem Weg räumt, dann kann man ja eigentlich anfangen. Ja? .. Und... dann war eben das Problem gewesen. Sag ich mir.

Sollen wir 'n Punkt machen?
Ja.

Dann danke ich. Ich mach jetzt aus?
Ich bedanke mich auch.

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